Nimm eine Tafel.

Jetzt lege deine Fingernägel drauf.

Und nun kratze kräftig darüber.

Ein grausames Geräusch.

Allein beim Gedanken daran bekomme ich eine Gänsehaut.

Ich kann dieses Geräusch nicht ertragen.

Genauso gibt es in der Welt des Zuhörens vieles, bei dem ich eine Gänsehaut bekomme. Meine Haare stehen mir zu Berge und ich frage mich:

Warum?

Doch ich bin eigentlich egal.

Wichtig ist, was Dein Gesprächspartner denkt.

Und das Letzte, das Du als Zuhörer für Deinen Gesprächspartner möchtest, ist ein „Tafel-Nagel-Erlebnis“.

Ich habe hier 5 solcher Erlebnisse zusammengetragen.

Es ist eine Not-To-Do-Liste für Zuhörer.

Wenn du Deinem Gesprächspartner ein grauenhaftes Kribbeln ersparen möchtest, dann solltest Du diese Dinge vermeiden.

Oder anders gesagt: Bitte, hör auf damit.

1) Unterbreche den Anderen nicht

Schnell ist es passiert: Du hast eine Anmerkung und Du wirfst sie dazwischen.

Der Redefluss wird gestört. Es entsteht eine Pause in der Erzählung Deines Gegenübers. Der Erzähler kann sich um diese Anmerkung kümmern und muss seine Gedanken neu sortieren. Womöglich hat er seinen roten Faden verloren und hängt in der Luft.

Daher spare Dir diese Unterbrecher. Das führt Dein Gegenüber meist in Situationen, aus denen er nur mit Energie und Aufmerksamkeit wieder herausfindet. Und als Zuhörer zeigst Du, dass Du dem Erzählten nicht folgst. Du weichst immer ab von den Gedanken des Erzählers. Du willst ihn lenken.

Bei mir ist es so: Wenn ich merke, dass mich jemand lenken will, reagiere ich dagegen. Ich widersetze mich dem Versuch gelenkt zu werden. Das kann so aussehen, dass ich mir meine Erzählung einfach spare und aufhöre. Es ist wie ein kleines, trotziges Kind: „Jetzt erst recht nicht!“

Spare Dir also Deine Anmerkungen auf. Ganz elegant ist es, wenn Du nachfragst, ob Du Anmerkungen machen kannst.

Wenn du allerdings eine Verständnisfrage hast, warte eine Redepause ab. So musst Du nicht unnötig stören, um Deine Frage stellen zu können. Dann kannst Du selbst wieder dem Gesprochenen besser folgen.

2) Höre auf, Deinen Gedanken freien Lauf zu lassen

Kennst Du das: Du hörst eine langweilige Schilderung und Deine Gedanken kletten sich an ein Wort. Dann drehen sich die Gedanken um dieses Wort und graben sämtliche Geschichten aus, die Du mit diesem Wort schon erlebt hast. Die Schilderung geht allerdings weiter. Wenn Du jetzt die Gedanken nicht wieder zurückholst, kannst Du dieser Schilderung nicht mehr folgen. Dir fehlt etwas. Merken wird das der Erzähler zwar nicht direkt, aber du bist energetisch nicht in dem Gespräch anwesend. Und das fühlt sich für Dein Gegenüber komisch an. Vermutlich kann er es nicht benennen.

Also auch wenn es nicht spannend genug für Dich ist, was Dir erzählt wird: sei anwesend.

3) Schlafe nicht ein!

Ja, das ist eine provokante Überschrift. Aber das trifft es am besten. Ich meine damit, dass Du als Zuhörer Deine Bedürfnisse nicht ignorieren sollst. Ja, manchmal ist es langweilig. Das ist aber immer noch kein Grund einzuschlafen. Jeder Mensch hat nunmal Bedürfnisse. Diese sind auch der regelmäßige Schlaf. Wenn du nun etwas erzählt bekommst und Du bist einfach müde, kommuniziere Deine Bedürfnisse. Lieber hörst Du ausgeschlafen zu, als dass Du dem Gespräch nicht folgen kannst. Mit leerem Magen oder übermüdet könnte ich auch keinem längeren Gespräch folgen.

4) Höre nicht nur mit den Ohren zu

Das Zuhören findet meiner Ansicht nach auf mehreren Ebenen statt. Es sind die körperliche Ebene, bei der sich zwei oder mehrere Körper zu einem Gespräch treffen. Dies kann an einem Ort, am Telefon oder vor dem PC per Videokonferenz sein. Diese Ebene ist bei einem Livegespräch immer gegeben.

Die nächste Ebene ist die akustische Ebene. Sie ist gegeben, wenn der Sprecher per Stimme die Schallwellen aussendet und diese nach einer Übertragung per Luft oder technisches Gerät in die Ohren des Zuhörers gelangen. Dort werden sie aufgenommen und an das Gehirn als Impulse weitergeleitet. Im Gehirn entsteht dann das Erzählte in Gedanken. Ich würde es auch Verstand nennen.

Die dritte Ebene ist die energetische Ebene. Oder auch die Herzebene. Antoine de Saint-Exupéry schrieb im „Kleinen Prinz“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Ich sage: „Man hört nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Ohren unhörbar.“

Es ist ein energetischer Raum, den beide Gesprächspartner aufbauen können. Ein Raum, in dem Zeit und Ort keine Rolle mehr spielen. Es ist wie ein Kokon, in dem dieses Gespräch stattfindet. Diese Verbindung der Herzen macht diesen Raum möglich. Es spielt alles keine Rolle mehr, wenn die Herzen sich verbunden haben. Wenn ich es beschreibe, ist es wie Liebe. Liebe zwischen zwei Menschen die sich verstehen.

5) Höre auf, in der Nase zu bohren

Ja, genau.

Mach es einfach nicht! Es zeugt von einer Art Desinteresse Deinem Gesprächspartner gegenüber.

Mit dem Rüstzeug aus diesem Artikel kannst Du einige Fehler im Gespräch vermeiden. Damit kannst Du Dich in ein gewagtes Abenteuer begeben: Du kannst jemandem zuhören.

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Spaß beim Ausprobieren.

Man hört nur mit dem Herzen gut.

Über den Autor:

Daniel bloggt über die Kunst des Zuhörens. Für ihn gibt es viele Möglichkeiten zuzuhören. Bei seiner Art des Zuhörens geht es darum, Augen zu öffnen, Herzen zu berühren und Leben zu verändern. Er glaubt daran, dass man anders zuhören muss, um die Welt bunter, kreativer und schöner zu machen.

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