Kennst Du das:

Du erzählst von Dir.

Du öffnest Dein Herz.

Dein Gegenüber interessiert sich aber nicht für Dich.

Er hört Dir nicht zu.

Schlechter noch: Er überhäuft Dich mit seiner Geschichte.

Für Dich fühlt es sich an, wie wenn Du mit einer Wand redest.

In Dir kommt Wut hoch.

Wut, weil Du nicht gehört wurdest. Weil Du mit dem, was Dir wichtig war, Deinen Gesprächspartner nicht erreichen konntest. Zeitgleich fühlst Du Dich traurig, weil Dein Gegenüber Dich mit „seiner“ Geschichte überhäuft hat. Und einfach nur nicht gehört und verstanden.

Das muss nicht sein.

Mit diesen fünf einfachen Schritten hörst Du nicht nur zu, sondern wirst zu einem besseren Menschen.

Ja, das ist ein provokantes Versprechen. Aber wenn Du dies beachtest, siehst Du Dein Gegenüber in seiner wahren Größe. Und damit meine ich jetzt nicht die körperliche Größe. Damit meine ich die geistige.

Schritt #1:

Lasse Deinen Gesprächspartner aussprechen. Erst wenn er seine Stimme gesenkt hat und den Satz vollendet hat, ist er fertig. Rückfragen oder Einwendungen, bringen denjenigen ins Stocken, der etwas mitteilen will. Wenn Dir jemand etwas erzählt, lasse seine Gedanken im Fluss. Lasse ihn alles erzählen, was er Dir erzählen will. Du kannst es Dir wie mit einem Tank voll Wasser vorstellen. Dieser Tank hat an der untersten Stelle einen Schlauch und Wasser läuft beim Erzählen aus dem Tank durch den Schlauch. Wenn Du eine Frage stellst oder selbst etwas erzählen willst, ist es, wie wenn man den Wasserfluss durch den Schlauch stoppt. Man benötigt Kraft, um das Wasser daran zu hindern, durch den Schlauch zu fließen. Das Wasser drückt regelrecht aus dem Tank. Wenn Du Dein Gegenüber allerdings ausreden lässt, ist sein Wassertank leer und er hat keinerlei Aufwand, den Wasserfluss zu unterbrechen.

Schritt #2:

Schritt #1 und #2 gehören eigentlich untrennbar aneinander. Denn nach dem Ausreden solltest Du bis drei zählen, bevor Du etwas erzählst oder fragst. Du kannst auch tief einatmen, bevor Du redest.

Das führt dazu, dass Du Deinem Gegenüber die Möglichkeit gibst, seiner Aussage etwas nachzuschieben oder anzuhängen.

Du kannst Dir das so vorstellen: Die Aussagen Deines Gegenübers beruhen auf noch kürzlich wirren Gedanken in seinem Kopf. Er (oder sie) hat gerade vor Dir seine Gedanken in Worte gefasst und sie Dir erzählt. Jetzt kann es sein, dass noch ein kleiner Gedanke herumschwirrt, der jedoch noch wichtig für die Aussage ist. Wenn Du Deinem Gegenüber ein paar Sekunden gibst, um alles (und damit meine ich wirklich ALLES) mitzuteilen, wirst Du ein sehr geschätzter Zuhörer.

Warte also kurz, bevor Du etwas sagst. Das können drei Sekunden oder ein tiefer Atemzug sein. Zeit genug, um etwas nachzuschieben.

Schritt #3:

Diesen Schritt habe ich in vielen Artikeln angesprochen, da er mir sehr wichtig ist. Im Grunde ist er sehr einfach und lautet: bewerte nicht!

Es ist einfach so schnell passiert, dass wir unser Gegenüber bewerten. Bei mir fing es schon in der Kindheit an, als mir meine Mutter gesagt hat, was ich von meinem Geld kaufen solle und was nicht. Also was „schlecht für mich“ sei und was nicht. Das führte dazu, dass ich ein Verhaltensmuster entwickelte, das mich bis jetzt beschäftigte.

Auch Fragen wie: „Hast Du Dir das gut überlegt!“ oder „Damit kann man doch kein Geld verdienen!“ sind eine gewisse Art Bewertung. In diesen Fragen schwingt die negative Antwort schon mit. Die Antwort wird somit mit dem Stellen der Frage mitgeliefert. Und eigentlich will man auf diese Fragen keine Antworten, sondern den Gesprächspartner dazu bewegen seinen Plan aufzugeben.

Wenn Dein Gesprächspartner Dir jedoch aus voller Überzeugung davon erzählt, Minenarbeiter zu werden, hat er sich bestimmt dabei etwas gedacht.

Kürzlich fragte ich ein Kind, was es später einmal werden wolle. Der Junge meinte, dass er Minenarbeiter werden will. Ohne diese Aussage zu bewerten fragte ich ihn, warum er sich diesen Beruf ausgesucht hat und er meinte: „Weil man da so schöne Dinge findet, wie Diamanten und Gold!“ Und jetzt ist es als Erwachsener schwer, einem 6-Jährigen seine schöne Vision nicht zu zerstören. Wenn man diese Aussage einfach nur so stehen lässt, lässt man seine Vision leben und seinen Gedanken freien Lauf. Jeder hat etwas davon!

Schritt #4 zu einem besseren Menschen:

Stelle Dir vor, Du erzählst Deinem Partner, wie es Dir bei dem neuen Projekt in der Arbeit geht. Er lässt Dich aussprechen, wartet kurz und stellt Dir eine Frage zu den Menschen, die bei diesem Projekt mitarbeiten. Damit signalisiert er Dir: „Ich habe Dich verstanden!“ und „Ich will mehr darüber wissen!“

Deine Reaktion darauf ist, dass Du Dir kurz über die Menschen, die bei diesem Projekt mitarbeiten, Gedanken machst und ihm davon erzählst. Es fühlt sich an wie ein kleiner Liebesbeweis, weil er Dich hört.

Oft habe ich es schon erlebt, dass ich etwas erzählt habe und mein Gegenüber lässt mich noch nicht einmal ausreden, bevor er mit einem komplett anderen Thema anfängt zu erzählen. In mir kam dann der Gedanke hoch von „Hat Dich das überhaupt interessiert oder ist Dir Deine Geschichte viel wichtiger?“ Manchmal fällt es diesen Menschen gar nicht auf, dass sie gar nicht zuhören können. Ihnen ist ihre Informationsweitergabe wichtiger.

Schritt #5:

Dein Partner erzählt Dir von dem neuen Projekt. Über einen Kollegen regt er sich speziell auf. Dieser Kollege füllt immer den Kopierer nicht nach und trinkt all den Kaffee, ohne neuen zu kochen. Du merkst, wie in Deinem Partner die Wut hochsteigt und er hochemotional von diesem Kollegen erzählt. Ohne ihn in seinen Aussagen zu bestärken („Ja, den Kollegen finde ich auch doof!“) kannst Du ihn mit all seinen Gefühlen wahrnehmen, indem Du ihn in seinen Gefühlen spiegelst. Wenn Du merkst, dass es ihn z.B. wütend macht, kannst Du sagen: „Dieser Kollege macht Dich wütend, wenn er all den Kaffee trinkt und den Kopierer nicht nachfüllt!“ Damit triffst Du sein Gefühl und kannst dies kanalisieren. Es ist wie wenn Dein Partner einen Luftballon mit Luft füllst und Du das Ablassventil betätigst. Wenn Du das nicht machst, kann es sein, dass dieser Luftballon irgendwann einmal platzt. Und das ist meist unkontrolliert und mit viel „Getöse“.

Du kannst auch die drei anderen Gefühle, wie Freude, Angst und Traurigkeit im Gespräch ansprechen.

Beim Benennen des aktuellen Gefühls, führt es dazu, dass Du nicht nur den Menschen vor Dir verstehst, sondern ihn in all dem hörst, was und wie er es sagt. Du triffst damit sein Herz und berührst ihn auf höchster Ebene.

Ich verstehe unter einem „besseren Menschen“ nicht nur jemanden, der die Fakten aus dem Gespräch wahrnimmt. Ein besserer Zuhörer hört den ganzen Menschen.

Diese Schritte habe ich mir nicht – einfach mal so – ausgedacht. Ich schreibe hier aus meiner Erfahrung als Zuhörer. Ich höre mir unheimlich gerne an, was Menschen zu erzählen haben. Und dabei verliere ich den Menschen oder auch die Seele nicht aus den Augen. Ich höre also nicht nur die Fakten.

Wenn auch Du mir etwas erzählen willst und in Deiner wahren Größe gesehen werden willst, schreibe mich HIER an.

Man hört nur mit dem Herzen gut.

Über den Autor:

Daniel bloggt über die Kunst des Zuhörens. Für ihn gibt es viele Möglichkeiten zuzuhören. Bei seiner Art des Zuhörens geht es darum, Augen zu öffnen, Herzen zu berühren und Leben zu verändern. Er glaubt daran, dass man anders zuhören muss, um die Welt bunter, kreativer und schöner zu machen.

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